Sonntag, 16. Juli 2017

Wie Kinder einen verändern...

 Vor kurzem habe ich darüber nachgedacht, wie meine Kinder mich in meinem Denken und Tun verändert haben. Es war eine Situation- was genau weiß ich gar nicht mehr (und das ist auch nicht wichtig) - und ich dachte nur: das hätte ich vor meinem Leben als Mama nicht gemacht. Und während ich dann meinem Kindern beim spielen zugesehen habe, habe ich etwas näher darüber nachgedacht.



Es ist doch so - Kinder verändern uns. Und ich finde das auch gut so! Denn meiner Meinung nach bedeutet das, dass wir uns dann auch vollkommen auf sie einlassen - uns anpassen, Kompromisse schließen. Und nicht, dass sich die Kinder unserem vorherigen Lifestyle beispielsweise unterordnen müssen. Persönlich würde ich nicht sagen, dass ich durch meine Kinder ein besserer (oder schlechterer) Mensch geworden bin. Das klingt mir auch zu pathetisch. Ich fand mich vor meinen Kindern schon o.k. und tue das auch jetzt. Aber auch ich habe mich verändert. Und das ist in vielen, vielen kleinen Dingen spürbar. Mal offensichtlicher, mal nur für mein engstens Umfeld, mal merke oder weiß das nur ich.

Es gibt so viele Dinge, die mir an mir selbst aufgefallen sind...beispielsweise:

Seit ich Kinder habe, habe ich oft das Gefühl, dauernd aufzuräumen (und nie fertig zu werden). Und ich habe festgestellt, dass ich auch ganz schlecht (und meistens gar nicht) relaxen kann, wenn nicht aufgeräumt ist. Früher habe ich natürlich auch aufgeräumt und geputzt, allerdings hatte ich kein Problem,  mich erst auf die Couch zu legen und noch ein Kapitel aus einem spannenden Buch zu lesen, bevor ich dann mit der Hausarbeit startete. Manchmal wünsche ich mir diese Lockerheit dahingehend zurück...

Seit ich Mama bin, vertraue ich viel mehr auf meine Intuition. Zum Beispiel, wenn meine Kinder krank sind (was würde jetzt Sinn machen, was helfen). Oder ob es gut ist, dieses und jenes zu unternehmen oder zu kaufen. Ich vertraue meiner inneren Stimme mehr als den vielen Ratgebern (die ich unter anderem auch bei unserem ersten Kind zur Geburt geschenkt bekommen habe - mal lustig formuliert, mal ernsthaft, aber alle unnötig). 



Seit ich Kinder habe, geht bei uns vieles im Alltag viel schneller. Einfach, weil der Alltag ja auch viel bunter und voller geworden ist. Nun müssen nicht nur mein Mann und ich Termine unter einen Hut bringen, sondern auch die unserer Kinder. Eigentlich ist deren Alltag gar nicht so streng durchgetaktet, aber unter Terminen verstehe ich halt auch zum Beispiel: Verabredungen mit Freunden, Arzttermine, die wöchentliche Stunde beim turnen oder reiten, die Termine vom Kindergarten (die sich grade bei meiner Tochter, die dieses Jahr eingeschult wird, extrem häufen). Also muss alles irgendwie schneller gehen. Einkaufen, kochen....langsamer zu essen musste ich mir selbst erst wieder nach unseren Kindern beibringen. Irgendwie hatten keine Kinder nämlich schon von klein auf immer dann Hunger, wenn ich etwas essen wollte. Und als stillende Mama habe ich dann schnell was runtergeschlungen, um dann meine Babys füttern zu können. Dass ich so schnell esse, ist mir dann erst bewusst geworden, als mein Mann und ich mal wieder nach einer gefühlten Ewigkeit alleine essen gingen. Früher war einkaufen, kochen und essen für mich etwas, das ich schier zelebriert und ganz bewusst getan habe...

Seit ich Kinder habe denke ich über viele Dinge anders. Zum Beispiel über Geschwindigkeitsbegrenzungen. Sicher waren die immer schon sehr wichtig. Nur waren sie mir früher irgendwie nicht so bewusst oder wurden von mir nicht gar so ernst genommen. Nach wie vor habe ich eher einen rasanten Fahrstil (schlichtweg, weil ich trödeln hasse), aber in bewohnten Gegenden fahre ich nun auch langsamer und der Vorschrift entsprechend,  weil ich selbst auch eine Wut bekomme,  wenn irgendein Raser durch unsere 30km-Wohnstrasse durchrauscht. Oder zum Beispiel Politik. Die verfolge ich heutzutage mit anderen Augen...  

Seit ich Mama bin, bin ich oft (nicht immer) gelassener,  spontaner, flexibler. Okay - nicht, was meinen Haushalt betrifft 😂 und auch nicht, was manchmal meine Nerven betrifft....sehr wohl aber, was meine / unsere Planungen betrifft. Während wir früher schon wussten, was wir z.B. am Wochenende unternehmen, was wir dann und dann erledigen usw. muss man mit Kids einfach flexibler sein. Erkrankungen kommen halt immer ungelegen und zum ungünstigsten Zeitpunkt. Insofern kann ich heute eindeutig sagen, dass ich absolut spontaner bin als früher.



Was ich als Mama nach der intensiven Babyzeit auch erst wieder lernen musste: mich selbst nicht zu vergessen und auch wichtig zu nehmen. Anfangs dreht sich einfach dein ganzer Kosmos um dieses kleine Menschlein. Das ist wichtig, gut und unumgehbar. Aber irgendwann, ja irgendwann braucht dich dein Kind nicht mehr ganz so stark wie am Anfang - das merkst du spätestens von Jahr zu Jahr, wie sukzessive ein Stück Unabhängigkeit und damit verbunden auch Freiheit für Dich hinzukommt. Ich kenne Paare, die schon ewig zusammen waren und die sich nach dem Familienzuwachs "plötzlich" getrennt haben. Ich finde, es ist wichtig, sich ganz bewusst für sich selbst, aber auch für den Partner Zeit zu nehmen. Mal zusammen essen gehen. Ins Kino. Oder einfach die Glotze aus lassen und miteinander reden. Als Mama prasseln so viele Eindrücke, so viel Neues und so viel Verantwortung auf Dich ein. Doch es ist - finde ich - immens wichtig, sich selbst auch wahrzunehmen und wichtig zu nehmen. Sich z.B. selbst zu pflegen. Babymassage, Cremes, kostbare Öle etc. Aber selbst nicht mal die Zähne geputzt???  Auch ich bin natürlich mit tiefschwarzen Augenringen und megableich nach durchwachten Nächten etc. umhergeschlichen. Aber es war mir immer wichtig, mich selbst nicht "gehen zu lassen", also regelmäßig zu duschen, nicht wochenlang mit strähnigen Haaren herumlaufen usw. Und letztlich hat das mir, aber auch meiner Familie gut getan (ein entspannendes Bad wirkt manchmal Wunder 😉). Warum ich dann aber das "sich selbst nicht vergessen" erstmal wieder lernen musste? Ich war schon immer ein geselliger Mensch mit einem tollen Freundeskreis. Als ich Mama war, fiel es mir aber erstmal schwer, mich alleine (ohne Kinder) mit meinen Freunden zu verabreden und entspannt Zeit zu verbringen. Irgendwie hatte ich lange ein schlechtes Gewissen,  nicht zu Hause zu sein (dabei war ich tatsächlich nicht oft weg, was auch daran liegt, dass ich einfach auch gerne zu Hause bin). Das meine ich in meinem Fall mit "sich selbst wichtig nehmen". 

Und diese Liste könnte ich noch endlos weiterführen, wie zum Beispiel,  dass ich, wenn ich shoppen gehe automatisch oft erst was für meine Kids einkaufe (es gibt sooo schöne Sachen...) Und.so.weiter. Aber ich will euch ja nicht langweilen...

Vielleicht habt ihr euch bei dem ein oder anderen Punkt selbst wiedererkannt, habt das selbst erlebt und wisst, was ich meine. Vielleicht habt ihr aber auch ganz gegensätzliche Sichtweisen, anderes erlebt etc.... 

Ich denke, sicher ist nur: Mamasein, Elternsein verändert. In manchen Dingen zum positiven, in manchen nicht. Es ist unglaublich intensiv, anstrengend, manchmal Kräfte raubend oder nervend, aber es macht auch unglaublich reich an Glück, an Freude,  an Liebe. Und so kann ich heute sagen: ja, ein Leben mit Kindern bedeutet oft Entbehrung. Aber noch viel öfter genau das Gegenteil. Ich bin froh, Mama zu sein, denn dadurch fühlt sich mein Leben richtig und vollkommen an 💕!



      

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